Accountable Talk – Lernen im Dialog

Von Dorothea Baumgartner, Beraterin Allianz Chance+

Accountable Talk ist ein offenes Unterrichtsgespräch, bei dem die Teilnehmer:innen zuhören, Kommentare des Gegenübers ergänzen oder durch klärende Fragen sicherstellen, dass diese verstehen, was der/die Andere sagen. Wenn Schüler:innen daran teilnehmen, können sie intensivere und tiefergehende Gespräche führen. Es entsteht eine Atmosphäre des geteilten Denkens.

Entsprechend ertragreich ist Accountable Talk für die Verarbeitungstiefe und den Lernzuwachs von Schüler:innen. Die amerikanische Pädagogikprofessorin Lauren B. Resnick hat in ihren Forschungen sogar eine Zunahme des IQs bei Schüler:innen festgestellt, wenn verantwortungsvolle Unterrichtsgespräche konsequent angewendet wurden. Die Lernfortschritte ganzer Klassen hätten sich, so Resnick, über eine Periode von drei Jahren signifikant verbessert.

Wie aber funktioniert diese Art von Unterrichtsgespräch? Über sogenannte Promts kann den Schüler:innen ein einfaches Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden. Prompts sind Satzanfänge wie «Ich finde auch, dass…» bei Übereinstimmung, «Ich sehe das anders, weil…» bei Ablehnung sowie «Kannst du ein Beispiel geben?».

Geeignet vom Kindergarten bis zur Oberstufe

Diese Promts, die jede(r) Schüler:in auf einem laminierten Kärtchen erhält, sollen helfen, den Einstieg ins gemeinsame Unterrichtsgespräch zu finden. Eine Sekundarlehrerin, die Accountable Talk über ein Jahr hinweg mit ihren Lernenden anwendete, sagt, dass die Gespräche dadurch viel besser ablaufen würden und die Lernenden immer häufiger gar die Gesprächsführung wie selbstverständlich übernähmen.

Manch eine(r) mag jetzt denken, dass Accountable Talk gut und recht sei für die Mittel- und Oberstufe – ungeeignet aber im Kindergarten, wo die wenigsten Kinder lesen können.

Das trifft nicht zu. Ein innovatives Kindergartenteam entwickelte die Idee, Holzstäbe mit farbigen Fäden zu umwickeln. Die Kinder lernten schnell, dass grüne Stäbe für Zustimmung, rote Stäbe für Ablehnung und gelbe Stäbe für Fragen zu verwenden sind. Im gemeinsamen Gespräch im Kreis durfte das Kind, das als nächstes zum Gespräch beitragen wollte, aufstehen und aus der Kiste in der Mitte den entsprechenden Stab herausnehmen. Einzige Bedingung war, dass das Gesagte sich auf etwas beziehen musste, was das Kind, das vorher an der Reihe war, erwähnt hatte. Falls die Kinder dabei nervös wurden, half es, wenn farbige Ballone mit Reis gefüllt wurden. Damit entstanden kleine, knetbare Gegenstände, die zusätzlich ein gutes haptisches Gefühl übermittelten – und die Nervosität verringern halfen.

Lauren B. Resnick lädt uns ein, teilzuhaben an einer Revolution, die Menschen Dinge lernen und dabei intelligenter werden lässt. Es lohnt sich, Accountable Talk auszuprobieren.

Weiterführender Link: https://www.colorincolorado.org/teaching-ells/ell-classroom-strategy-library/accountable-talk#slides

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