Chance P+: erste Resultate der Begleitforschung
Das Pilotprojekt Chance P+, im Schuljahr 2024/25 ins Leben gerufen, konzentriert sich auf den Übergang von der Primar- in die Sekundarschule. Es wird von Katharina Maag Merki und Claudia Marusic vom Institut für Erziehungswissenschaft der Uni Zürich wissenschaftlich begleitet. Die beiden Forscherinnen stellen nachfolgend erste Ergebnisse vor.
In unserer Begleitforschung untersuchen wir, welche Wirkungen Chance P+ hat und welche erwünschten und unerwünschten Effekte bei den Schüler:innen oder im Unterricht identifizierbar sind. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen nach der Leistungs- und Motivationsentwicklung der Schüler:innen von der Primarschule in die Sekundarschule, nach dem Nutzen des Programms zur Reduktion von Bildungsbenachteiligungen sowie nach den Chancen und den Herausforderungen bei der Umsetzung dieses Programms in den Schulen.
Wir erheben über mehrere Jahre jährlich die motivationalen Lehr-Lernvoraussetzungen der Schüler:innen sowie ihre Deutsch- und Mathematikleistungen. Zudem erfahren wir in Fokusgruppengesprächen sowohl von den Schüler:innen als auch von den Coaches und den Klassenlehrpersonen, welche Erfahrungen sie mit dem Programm machen, wo sich Herausforderungen und Chancen in der Umsetzung ergeben – und welche Veränderungen sie durch das Programm wahrnehmen.
Emotional belastende Auswahl
Die Auswahl der Schüler:innen für das Förderprogramm erfolgt durch Klassenlehrpersonen und Coaches. Die Zuteilung der begrenzten Förderplätze wird von den Lehrpersonen als emotional belastend erlebt, da die Entscheidung, welche Kinder berücksichtigt werden sollen, als äusserst komplex wahrgenommen wird. So geht der Entscheid, ein Kind zu fördern, einher mit dem Entscheid, einem anderen diese Möglichkeit nicht zu gewähren
Selbstwirksamer und selbstbewusster
Die Analysen zeigen zudem, dass sich das Fähigkeitsselbstkonzept in Deutsch bei geförderten Schüler:innen nach einem Schuljahr stärker verbessert hat als bei nicht geförderten Schüler:innen. Für Deutsch und Mathematik konnten bislang keine solche Effekte nachgezeichnet werden. Aber die Effekte des Programms lassen sich nicht nur in Zahlen messen: Aus den Fokusgruppengesprächen geht hervor, dass die Schüler:innen sich selbstbewusster fühlen und der Ansicht sind, dass sich auch ihre fachlichen Leistungen verbessert haben, was von den Lehrpersonen und den Coaches gleich eingeschätzt wird. Die Schüler:innen geben zudem an, dass sie im Regelunterricht aktiver mitmachen, weil sie dank dem Programm mehr wissen und sich dadurch mehr zutrauen.
Nicht nur Förderprogramm, sondern Schulentwicklungsprojekt
Die Beteiligten betonen als zentrale Chance die gezielte Förderung von Schüler:innen in kleinen Gruppen, die sonst keine Förderung erhalten mit dem Ziel, sowohl deren Selbstbewusstsein zu stärken als auch fachliche Defizite aufzuarbeiten. Besonders geschätzt werden zudem das positive Klima im Programm, die neuen Freundschaften unter den Schüler:innen aus unterschiedlichen Schulklassen und die individuelle Unterstützung durch die Coaches.
Für den langfristigen Erfolg ist entscheidend, dass Chance P+ nicht nur als Förderprogramm für einzelne Kinder verstanden wird, sondern als Schulentwicklungsprojekt. Seine Wirkung entfaltet das Programm, so die Annahme, besonders dann, wenn es fest in der Schule verankert ist und gemeinsam von Lehrpersonen, Schulleitung und Behörden getragen wird. Unsere Längsschnittstudie bis Ende 2027 wird es ermöglichen, diese Annahme zu überprüfen.
https://www.ife.uzh.ch/de/research/maagmerki/forschung2/chance.html